
Es gibt Geschmäcker, die für immer mit einer Route verbunden bleiben. Auf dem Camino del Norte und dem Camino Primitivo kommt dieser Geschmack meist mit natürlichen Perlen, Apfelaroma und einer Geste, die einfach wirkt – bis man sie selbst ausprobiert: das Einschenken (Escanciado). Ich spreche natürlich von dem asturischen Apfelwein (Sidra), der in Asturien nicht „nur ein Getränk“, sondern eine Art ist, Tischkultur, Gespräch und Gastfreundschaft zu verstehen.
Wenn du Etappen entlang der Kantabrischen Küste und durch das asturische Hinterland planst, halte (und bewahre dir einen klaren Kopf) etwas Raum für diese Kultur. Denn 2024 erkannte die UNESCO die asturische Apfelweinkultur als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit an und würdigte damit nicht nur das Produkt, sondern auch seine Orte, Rituale und sozialen Traditionen.
In diesem Leitfaden zur Gastronomie auf dem Jakobsweg erfährst du wie eng die Sidra mit dem Camino verbunden ist, welche Traditionen du als Pilger erleben kannst und wann die beste Zeit ist, sie zu genießen. Wir erklären dir außerdem, wie du eine Sidrería betrittst, ohne dich „fehl am Platz“ zu fühlen.
Índice de contenidos
- 1 Sidra und Camino: Warum sie so gut zusammenpassen
- 2 Was ist asturische Sidra genau (und was macht sie besonders)?
- 3 Rituale und Traditionen, die du unterwegs sehen (und erleben) wirst
- 4 Wo du die Sidra auf dem Camino del Norte erleben kannst
- 5 Wo du die Sidra auf dem Camino Primitivo erleben kannst
- 6 Wann ist die beste Zeit: Sidra-Kalender für Pilger
- 7 Wie man eine Sidrería betritt, ohne ins Fettnäpfchen zu treten
- 8 Sidrerías auf anderen Jakobswegen
- 9 Pilger-Tipps: genießen, ohne dass es dir schadet
- 10 Weitere Details, die du kennen solltest
Sidra und Camino: Warum sie so gut zusammenpassen

Der Camino hat etwas Rituelles: den Pilgerausweis stempeln, den Rucksack richten, den Tisch teilen, nach der nächsten Herberge fragen… Die Sidra auch. In Asturien bedeutet sie meist Zeit, Gespräch und Gemeinschaft. Pilger begegnen ihr häufig zu ganz bestimmten Momenten des Tages: am Ende der Etappe, beim Menü des Tages, bei einem gemeinsamen Abendessen oder bei einem lokalen Fest.
Sowohl der Norte als auch der Primitivo führen durch Gebiete, in denen sie Teil der lokalen Identität ist – insbesondere in Asturien. Die UNESCO beschreibt diese Kultur als ein Geflecht aus Orten und Prozessen zur Herstellung, zum Servieren und zum Genießen der natürlichen Sidra, verbunden mit einheimischen Apfelsorten und der Beziehung der Gemeinschaften zu ihrer Umgebung.
Kurz gesagt: Auf diesen Routen ist sie kein „touristisches Extra“. Sie ist eines jener Elemente, das – wenn du es verstehst und respektvoll erlebst – dir den Ort, durch den du wanderst, besser erklärt.
Was ist asturische Sidra genau (und was macht sie besonders)?
Um Begriffe nicht zu vermischen: In Asturien bezieht man sich im Alltag meist auf die Sidra natural. Laut den Bestimmungen der geschützten Ursprungsbezeichnung (DOP Sidra de Asturias) ist sie das Getränk, das aus der Gärung frischer Äpfel oder ihres Mostes entsteht. Sie wird nach traditionellen Verfahren hergestellt, ohne Zuckerzusatz und mit kohlensäure natürlichen (endogenen) Ursprungs.
Die DOP umfasst im Wesentlichen zwei große Produkte: Sidra natural und Sidra natural espumosa. Die Schaumvariante entsteht durch eine zweite Gärung und enthält ebenfalls Kohlensäure natürlichen Ursprungs.
Ein wichtiges Detail für Pilger: In Asturien gibt es verschiedene Konsumformen, und nicht alle werden eingeschenkt (escanciado). Neben der traditionellen natürlichen Variante (die eingeschenkt wird) findest du in Sidrerías auch filtrierte Sidras (Tafel- oder „nueva expresión“) sowie die espumosa – diese werden nicht eingeschenkt.
Rituale und Traditionen, die du unterwegs sehen (und erleben) wirst
Das Escanciado: die Geste, die die Sidra „weckt“

Escanciar bedeutet, die Sidra aus gewisser Höhe einzuschenken, sodass der Strahl auf das Glas trifft, das Getränk belüftet wird, Aromen hervortreten und die natürliche Kohlensäure aktiviert wird. Dieses Ritual ist so typisch, dass du es – selbst wenn du es nicht selbst machst – in einer Sidrería sofort um dich herum sehen wirst.
Der „culín“ (oder „culete“): kleine Portionen, sofort trinken
Ein weiteres Schlüsselwort ist der culín – im Grunde der Inhalt des Glases nach dem Einschenken. Außerdem ist zu beachten, dass das Glas speziell für dieses Getränk ist. Die praktische Idee ist einfach: Es wird nur eine kleine Menge serviert, damit man sie sofort trinken kann, bevor sie ihre „Spritzigkeit“ verliert.
Espichas: Sidra, Lagar und Essen in festlicher Atmosphäre
Die espicha ist eine sehr asturische gesellschaftliche Tradition. Sie findet meist in einem Llagar/Lagar (Produktionsort) statt, wobei die Sidra direkt aus dem Fass ins Glas „gezapft“ wird und von Essen und Musik begleitet wird. Es ist buchstäblich eine Art, rund um dieses besondere Getränk zu feiern.
Sidra-Landschaft: Apfelhaine und Llagares

Die Sidra-Kultur ist auch Landschaft: Pomaradas (Apfelplantagen), Llagares, traditionsreiche Dörfer, Museen und Feste. Die höchste Dichte an Llagares und Pomaradas findet sich in der sogenannten Comarca de la Sidra, wobei Gemeinden wie Villaviciosa und Nava als bedeutende Referenzen hervorstechen.
Wo du die Sidra auf dem Camino del Norte erleben kannst
Der Camino del Norte durchquert Asturien, und auf diesem Abschnitt gibt es Orte, an denen dieses Getränk besonders selbstverständlich präsent ist – aufgrund lokaler Tradition, der Dichte an Sidrerías oder wegen Feierlichkeiten. Wenn du deine Route planst, kannst du berücksichtigen, dass der Camino del Norte in Asturien durch Orte wie Villaviciosa, Gijón oder Avilés führt.
Wenn deine Planung eine Stadtetappe umfasst und du eine konkrete Referenz zu Route/Etappen suchst, findest du hier den Leitfaden von Mundiplus für diesen Abschnitt des Camino del Norte ab Gijón bis Ribadeo.
Villaviciosa und die Comarca de la Sidra: den Ursprung verstehen
Wenn du das „Warum“ der Sidra suchst (über das Trinken hinaus), ist diese Region der natürliche Rahmen: ein Gebiet mit Gemeinden wie Bimenes, Cabranes, Colunga, Nava, Sariegu und Villaviciosa, mit einem klaren gemeinsamen Nenner: authentische und hochwertige Produktion. Villaviciosa zeichnet sich durch seine Konzentration an Pomaradas und Llagares sowie durch emblematische Marken aus.
Gijón: urbane Sidra, Atmosphäre und Fest
In Gijón wird Sidra als Teil der Volkskultur gelebt, wobei die Sidrería als sozialer Raum eine wichtige Rolle spielt. Und wenn dein Kalender passt, feiert die Stadt im Spätsommer ein großes Fest: die Fiesta de la Sidra Natural de Gijón Ende August (mit Aktivitäten wie Wettbewerben im Escanciado und Versuchen des gleichzeitigen Einschenkens).
Oviedo (auch wenn es „Primitivo“ ist): ein logischer Abstecher bei Routenverbindung oder Logistik
Oviedo ist eine weitere Stadt mit starker Präsenz der Sidra, zudem besteht eine explizite Verbindung mit dem historischen Start des Primitivo an der Kathedrale.
Wo du die Sidra auf dem Camino Primitivo erleben kannst
Der Primitivo ist eine Route mit Charakter und hat in Asturien einen klaren Faden: Er beginnt in Oviedo und führt durch Gemeinden, die Ländlichkeit, Berge und Tradition verbinden. Der Beginn des „Ursprungswegs“ in Oviedo wird auf der Plaza de Alfonso II el Casto, am Fuße der Kathedrale, erklärt und weist auf die Auszugsrichtung der Pilger hin.
Oviedo: mit einem „culín“ beginnen (oder lernen, ihn zu beobachten)
Den Camino Primitivo zu beginnen, ist für viele eine Mischung aus Emotion und Nervosität. Wenn du einen ersten Kontakt möchtest, tue es am besten ruhig: Setz dich, beobachte das Escanciado, bestelle etwas zu essen und verstehe den Rhythmus. Denk daran: Der „culín“ wird sofort getrunken und ist kein „langes Getränk“.
Asturisches Hinterland: Sidra als Teil des Alltags
Im Landesinneren erscheint dieses Getränk oft ohne Leuchtschild: Es ist Teil von Menüs, Feiern und Begegnungen. Hier passt die Idee besonders gut, dass die Sidra-Kultur ein Geflecht aus Orten und sozialen Praktiken ist (nicht nur Gastronomie), wie es die UNESCO beschreibt.
Wann ist die beste Zeit: Sidra-Kalender für Pilger
Die „beste Zeit“ hängt davon ab, was du suchst. Zum Glück gibt es klare Referenzen zu Saison und Festen.
Sommer: Festivals und Straßenatmosphäre
- Festival de la Sidra de Nava: Mitte Juli. Eine der bekanntesten Veranstaltungen mit Wettbewerben und Aktivitäten rund um die Sidra.
- Fiesta de la Sidra Natural de Gijón: meist Ende August mit Markt, Wettbewerben und Aktivitäten rund um das Escanciado.
Pilger-Vorteil: Wenn du den Camino del Norte im Sommer gehst, ist es einfacher, mit Veranstaltungen und einem sehr sichtbaren Sidra-Angebot zusammenzutreffen.
Herbst: Apfelernte und „Mayar“
Wenn du den Prozess verstehen möchtest, ist der Herbst besonders. In der Seronda (Herbst), in den Monaten Oktober und November, werden die Äpfel („paña“) geerntet, die Rohstoff für die Produktion des folgenden Jahres sind.
Zudem gibt es organisierte Angebote rund um diesen Moment: „Mayando con Sidraturismo Asturias“ findet von Mitte Oktober bis Ende November statt und fällt mit dem Prozess und der Apfelernte zusammen.
Winter und frühes Frühjahr (wenn du den Norte in Irún beginnst): der baskische Hinweis auf das „txotx“
Wenn dein Camino del Norte im Baskenland beginnt, gibt es eine weitere bekannte Sidra-Tradition: die txotx-Saison in baskischen Sidrerías zwischen Januar und April. Eine interessante Einstimmung vor der Ankunft in Asturien: eine andere Sidra-Kultur, ein anderes Ritual (Verkostung direkt aus dem Fass), eine andere Art des Zusammenseins.
Wie man eine Sidrería betritt, ohne ins Fettnäpfchen zu treten

Natürlich erwartet niemand, dass ein Pilger Experte ist, aber es wird geschätzt, wenn man den lokalen Code beobachtet und respektiert.
Praktische Hinweise (ganz einfach)
- Zuerst beobachten: Schau, wie der Kellner oder jemand am Tisch einschenkt.
- Das Glas nie füllen: Der „culín“ ist wenig und wird sofort getrunken.
- Wenn man dir anbietet, einzuschenken, probiere es mit Humor: Am Anfang verschüttet man leicht etwas. Ziel ist es, die Sidra zu belüften und zu „wecken“.
- Ohne Scheu fragen: Bei Tafel-/Nueva-Expresión- oder Espumosa-Varianten – diese werden nicht eingeschenkt.
Espicha: Wenn du die Gelegenheit hast, ist es eine sehr ortstypische Erfahrung
Wenn du mit einer Espicha zusammenfällst (durch lokalen Kalender oder organisierte Aktivität), wirst du schnell verstehen, warum Sidra mit Gemeinschaft verbunden ist: Man trinkt „aus dem Fass“, teilt Essen und erlebt festliche Stimmung.
Sidrerías auf anderen Jakobswegen
Obwohl das Herz der Sidra-Kultur des Camino – hinsichtlich kultureller Dichte und Ritual – stark mit Asturien (Norte/Primitivo) verbunden ist, findet man Sidra auch auf anderen Routen, insbesondere im Norden der Halbinsel. Wenn du gastronomische Pläne jenseits des Kantabrischen Raums vergleichst, findest du bei Mundiplus zwei Leitfäden zum Camino Francés:
Pilger-Tipps: genießen, ohne dass es dir schadet
Sidra gehört zur Erfahrung, aber der Camino verlangt auch, auf Körper und Sicherheit zu achten. Hier einige Empfehlungen mit gesundem Menschenverstand:
- Besser am Ende der Etappe: wenn du nicht mehr weitergehen musst, besonders bei anspruchsvollem Gelände.
- Hydrieren und essen: Sie wird meist mit Essen serviert – das hilft beim Genießen.
- Bei wenig Erholung Schlaf priorisieren: Der Camino del Norte und der Primitivo verzeihen keine angesammelte Müdigkeit.
- Den lokalen Kontext respektieren: Es ist keine Herausforderung und keine „Show“, sondern eine lebendige Tradition.
Weitere Details, die du kennen solltest
Muss ich selbst einschenken, um die Sidra „zu erleben“?
Nein. Du kannst sie genießen, indem du das Ritual beobachtest (und lernst) oder Varianten bestellst, die nicht eingeschenkt werden. In vielen Sidrerías wird dir die Sidra bereits eingeschenkt serviert. Außerdem gibt es Tafel-/Nueva-Expresión- und Espumosa-Varianten, die nicht eingeschenkt werden.
Was bedeutet Kohlensäure „endogenen“ Ursprungs?
Im Rahmen der DOP bedeutet dies, dass die Kohlensäure natürlichen Ursprungs ist, also aus dem eigenen Gärungsprozess stammt und nicht wie bei einem Erfrischungsgetränk zugesetzt wird. Es ist eines der Merkmale in der Definition der „Sidra de Asturias“.





