
Die Luso-Galizische Marienroute ist eine spirituelle Route, die den Norden Portugals mit Galicien verbindet und zahlreiche Marienheiligtümer miteinander verknüpft. Die Strecke erstreckt sich über etwa 400 Kilometer und durchquert die Provinzen Pontevedra und A Coruña, um die wichtigsten Marienheiligtümer zwischen Braga (Portugal) und Muxía (Galicien) zu verbinden.
Entstanden vor wenigen Jahren auf Initiative lokaler galizischer und portugiesischer Verbände, bietet dieser Pilgerweg eine alternative und ergänzende Option zum traditionellen Jakobsweg. Tatsächlich hat er sich den Spitznamen „der andere große Pilgerweg“ zwischen Galicien und Portugal verdient, was seine wachsende regionale Bedeutung widerspiegelt.
Im Folgenden gehen wir näher auf seine Geschichte, die Etappen und die verfügbare Infrastruktur ein.
Índice de contenidos
- 1 Historischer Ursprung und Bedeutung der Marienroute
- 2 Strecke: von Braga (Portugal) nach Muxía (Galicien) in 18 Etappen
- 2.1 Braga: Sameiro und Sé Kathedrale
- 2.2 Alto Minho und Heiligtum da Peneda
- 2.3 Grenzübertritt nach Galicien über Melgaço–Arbo
- 2.4 Pontevedra: Heiligtum A Franqueira
- 2.5 O Suído und Augasantas (Cotobade)
- 2.6 Moraña und A Estrada: Os Milagros
- 2.7 A Coruña: Ulla-Tal und A Escravitude
- 2.8 Santiago de Compostela: Virxe do Portal
- 2.9 Richtung Costa da Morte: Negreira und Muxía
- 2.10 Endpunkt Muxía: Heiligtum da Virxe da Barca
- 3 Wegweisung und Infrastruktur für Pilger
- 4 Die Marianische Route im Vergleich zu anderen Pilgerwegen
Historischer Ursprung und Bedeutung der Marienroute
Die Marienverehrung in Galicien und Nordportugal ist sehr alt, sogar älter als die Verehrung des Apostels Jakobus in der Region. Zahlreiche Einsiedeleien und Marienheiligtümer prägen diese Gebiete seit Jahrhunderten und sind Zentren traditioneller Wallfahrten.
Ende der 2010er Jahre entstand die Idee, einen Fernwanderweg zu gestalten, der diese alten Pfade zwischen den Einsiedeleien wieder aufgreift und verbindet. Das Projekt wurde von erfahrenen Förderern galizisch-portugiesischer Jakobswege (unter anderem Luis do Freixo und José Antonio de la Riera) initiiert, mit dem Ziel, eine alternative Pilgerreise zu bieten, die auf Maria statt auf Jakobus fokussiert ist.
Die Vía Mariana wurde unabhängig vom offiziellen Jakobswegnetz konzipiert, mit eigener Identität, Symbolen und Wegmarkierungen. Sie verfolgt nicht das Ziel, einen historischen Weg neu zu erfinden, sondern verschiedene Heiligtümer auf einer neuen spirituellen Route zu verbinden. Dennoch haben die Initiatoren traditionelle Wege (alte Karren- und Fußpfade) respektiert und bestehende Verbindungen zwischen frommen Dörfern fortgeführt.
Die Initiative nahm Gestalt an mit der offiziellen Eröffnung der Route im Jahr 2019. Zudem basiert sie auf Pilgerausweisen und der Einrichtung einer Marien-Zertifizierung, die nach Abschluss der Strecke erworben werden kann. Heute wird sie von Verbänden und Gemeinden beider Regionen unterstützt, die sogar anstreben, dass sie künftig als Europäischer Kulturweg anerkannt wird.
Strecke: von Braga (Portugal) nach Muxía (Galicien) in 18 Etappen
Die Route erstreckt sich über ungefähr 370 bis 400 km, aufgeteilt in 18 Etappen zu Fuß.
- Etappe 1: Braga → Goães (Vila Verde) — ≈ 21 km
- Etappe 2: Goães → Ponte da Barca — ≈ 17 km
- Etappe 3: Ponte da Barca → Soajo — ≈ 20 km
- Etappe 4: Soajo → Heiligtum Nossa Senhora da Peneda — ≈ 15 km
- Etappe 5: Peneda → Melgaço — ≈ 18 km
- Etappe 6: Melgaço → Arbo → Heiligtum A Franqueira (A Cañiza) — ≈ 22 km
- Etappe 7: A Franqueira → Covelo → Fornelos de Montes — ≈ 19 km
- Etappe 8: Fornelos → Serra do Suído → Heiligtum Augasantas (Cotobade) — ≈ 23 km
- Etappe 9: Augasantas → Moraña → Heiligtum Os Milagros de Amil — ≈ 18 km
- Etappe 10: Amil → A Estrada (Kapelle Os Milagros de Requián) — ≈ 16 km
- Etappe 11: A Estrada → Padrón → Kirche Nosa Señora da Escravitude — ≈ 24 km
- Etappe 12: Escravitude → Santiago de Compostela (Virxe do Portal) — ≈ 18 km
- Etappe 13: Santiago → Negreira — ≈ 21 km
- Etappe 14: Negreira → Olveiroa — ≈ 33 km
- Etappe 15: Olveiroa → Cee — ≈ 18 km
- Etappe 16: Cee → Fisterra — ≈ 16 km
- Etappe 17: Fisterra → Lires — ≈ 14 km
- Etappe 18: Lires → Muxía (Heiligtum da Virxe da Barca) — ≈ 15 km
Braga: Sameiro und Sé Kathedrale

Der Ausgangspunkt liegt in der Stadt Braga, eine der ältesten christlichen Städte Portugals, bekannt für ihr religiöses Erbe. Hier befindet sich das Heiligtum Nossa Senhora do Sameiro, das zweitwichtigste Marienheiligtum des Landes (nach Fátima) und erster Meilenstein der Vía Mariana.
Auch in Braga besucht der Weg die historische Sé Kathedrale (die älteste Kathedrale Portugals), bevor er ins ländliche Hinterland des Nordens Portugals führt.
Alto Minho und Heiligtum da Peneda
Die Route durchquert mehrere portugiesische Ortschaften und Naturlandschaften, mit Stopps in kleinen Dörfern und Heiligtümern. Zum Beispiel führt sie durch die Region Alto Minho über Orte wie Goães (Vila Verde), die Stadt Ponte da Barca, Soajo (im Nationalpark Peneda-Gerês) und erreicht schließlich das Heiligtum Nossa Senhora da Peneda.
Dieses Heiligtum liegt hoch in den Bergen und nahe der Grenze. Beeindruckend ist seine Lage unter einem riesigen Granitfelsen sowie die imposante barocke Treppe mit fast 300 Stufen, die bis zur Fassade hinaufführt.
Grenzübertritt nach Galicien über Melgaço–Arbo
Nach der Verehrung der Virgen da Peneda machen sich die Pilger auf den Weg nach Melgaço, dem letzten portugiesischen Dorf, wo sie den Fluss Minho über die internationale Brücke Arbo-Melgaço überqueren, um nach Galicien zu gelangen.
Pontevedra: Heiligtum A Franqueira
In galizischem Gebiet führt die erste große Etappe die Pilger zum Heiligtum A Franqueira (A Cañiza). Dies ist eines der bekanntesten Marienheiligtümer Galiciens, berühmt für seine großen Wallfahrten und eine sehr alte Marienfigur, datiert auf das 6. Jahrhundert.
O Suído und Augasantas (Cotobade)
Anschließend durchquert die Route das Binnenland von Pontevedra: sie passiert Covelo und Fornelos de Montes, steigt in die Sierra do Suído und führt hinunter zum Heiligtum Santa María de Augasantas (Cotobade). Viele dieser Heiligtümer sind mit alten Legenden von Erscheinungen oder Heilquellen verbunden (wie Augasantas, dessen Name „heilige Wasser“ bedeutet).
Moraña und A Estrada: Os Milagros
Die Pilgerreise führt weiter durch fruchtbare Täler und ländliche Dörfer: im Municipio Moraña passiert die Route das Heiligtum Os Milagros de Amil, ein weiteres stark frequentiertes Pilgerzentrum, dessen Hauptwallfahrt im September stattfindet. Nicht weit entfernt, in A Estrada, befindet sich die Kapelle Os Milagros de Requián, die ebenfalls in die Route einbezogen ist.
A Coruña: Ulla-Tal und A Escravitude
Später gelangt die Route in die Provinz A Coruña, wo die letzten Etappen folgen. Auf diesem Abschnitt führt der Weg ins Ulla-Tal und verbindet Sehenswürdigkeiten wie die Kirche Nosa Señora da Escravitude (in Padrón). Diese barocke Kirche des 18. Jahrhunderts liegt in der Pfarrei Santa María de Cruces, nur wenige Schritte vom traditionellen portugiesischen Jakobsweg entfernt.
Santiago de Compostela: Virxe do Portal
Die Stadt Santiago de Compostela ist ebenfalls Teil der Marienroute, allerdings nicht als Endpunkt, sondern als eine weitere Etappe der Pilgerreise. Hier hält die Route an der Konventskirche Virxe do Portal, einem kleinen Heiligtum in der Nähe der Kathedrale.
Richtung Costa da Morte: Negreira und Muxía
Von dort setzen die Pilger ihren Weg fort und folgen denen, die nach Fisterra-Muxía gehen: die Route nimmt denselben Pfad wie die Jakobusverlängerung zur Costa da Morte. Durch Wälder und Dörfer im tiefen Galicien führt die vorletzte Etappe meist bis in die Nähe von Negreira oder darüber hinaus, bevor der Weg zur Atlantikküste Richtung Muxía führt.
Endpunkt Muxía: Heiligtum da Virxe da Barca

Das Santuario da Virxe da Barca in Muxía markiert das Ende der Vía Mariana. Dieser Tempel, einer der beeindruckendsten Galiciens aufgrund seiner Lage am Meer, erhebt sich auf einem Felsvorsprung, auf dem laut Überlieferung die wundersame Erscheinung der Jungfrau Maria vor dem Apostel Jakobus stattfand. Die heutige Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist seit dem Mittelalter ein Zentrum der Verehrung.
Natürliche und kulturelle Schätze entlang des Weges

Einer der größten Reize der Luso-Galicischen Marianischen Route ist die Landschafts- und Kulturschätze, die sie auf ihrer gesamten Strecke bietet. Im Gegensatz zu einigen stark frequentierten Jakobswegen durch städtische oder industrielle Gebiete verläuft sie hauptsächlich durch gut erhaltene ländliche und natürliche Umgebungen.
In Portugal durchquert der Weg den Nationalpark Peneda-Gerês mit seinen einheimischen Wäldern, Flusstälern und landschaftlich reizvollen Bergen. In Galicien passiert die Route Gebirge und dichte Wälder (O Suído, Montes de Covelo etc.), traditionelle landwirtschaftliche Täler und Gebiete von hohem ökologischem Wert.
Der Kontakt zur Natur ist kontinuierlich: Wasserfälle, Flüsse wie der Miño, der Deva oder der Ulla, Fragas (atlantische Wälder) und Panoramaplätze machen die Strecke zu einer sehr grünen und ruhigen Erfahrung für die Pilger.
Parallel zu den natürlichen Reichtümern steht das historische und kulturelle Erbe des Weges dem nicht nach. Neben den eigentlichen Heiligtümern und Kapellen – von kleinen ländlichen Einsiedeleien bis zu Basiliken von bedeutendem künstlerischem Wert – finden Pilger zahlreiche ethnografische und historische Elemente entlang der Route.
Alte Steinbrücken, mittelalterliche Straßen, cruceiros (typisch galicische Steinkreuze), petos de ánimas (kleine Altäre), Wunderquellen, Hórreos, traditionelle Waschplätze und Dörfer mit Volksarchitektur säumen den Weg.
Jeder Abschnitt bietet Gelegenheiten, lokale Legenden, religiöse Traditionen (Wallfahrten, Prozessionen) sowie die Gastronomie und Gastfreundschaft der jeweiligen Region zu entdecken.
Wegweisung und Infrastruktur für Pilger
Obwohl die Route jünger und weniger frequentiert ist als klassische Jakobswege, hat sich im Verlauf eine grundlegende Infrastruktur für Pilger entwickelt.
Seit 2018-2019 wurde an der spezifischen Wegmarkierung gearbeitet: Die Route verfügt über eigene Symbole und Markierungen (anders als der gelbe Pfeil des Jakobswegs), um Wanderer zu leiten. Lokale Vereine, Gemeinden und Forstgemeinschaften haben alte, vergessene Wege geöffnet und schwierige Abschnitte instand gesetzt.
Heute ist ein Großteil der Route mit markanten Pfosten und Schildern der Vía Mariana gekennzeichnet, was das Folgen des Weges ohne GPS erleichtert.
Bezüglich Unterkünfte ist das Netz aufgrund des noch jungen Charakters der Route noch begrenzt, aber im Wachstum. Mehrere Pilgerherbergen wurden entlang der Strecke eingerichtet, oft in bestehenden Gebäuden oder in Kooperation mit kommunalen Einrichtungen. Selbst im Santuario da Peneda wurde Platz für Pilger geschaffen.
In Muxía, am Ende der Route, kann der Pilger die sogenannte Marianische Zertifizierung beantragen, ähnlich einer „Compostela“, die den Abschluss der Wallfahrt bestätigt (derzeit im örtlichen Tourismusbüro erhältlich). Dafür gibt es einen Pilgerpass, in dem der Pilger die Stempel der durchlaufenen Heiligtümer sammelt, wie auf den Jakobswegen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Zahl der Pilger noch relativ gering ist im Vergleich zum traditionellen Jakobsweg. Dies bedeutet, dass Reisende ihre Etappen etwas sorgfältiger planen müssen, unter Berücksichtigung der Entfernungen zwischen Dienstleistungen, Essen und Unterkünften in jedem Dorf.
Die Marianische Route im Vergleich zu anderen Pilgerwegen
Unter den vielen Pilgerrouten auf der Iberischen Halbinsel nimmt sie eine besondere Stellung ein. Es ist kein „gewöhnlicher Jakobsweg“, da das endgültige Ziel nicht das Grab des Apostels ist, sondern verschiedene marianische Heiligtümer zu besuchen. Santiago de Compostela ist dennoch Teil der Route, und tatsächlich teilen sich beide Wege bestimmte Abschnitte und spirituelle Symbolik.
Wie bereits erwähnt, tragen Pilger auf der Vía Mariana ebenfalls einen Pilgerpass und sammeln Stempel an jeder Etappe. Sie können sogar an die Verlängerung des Jakobswegs nach Fisterra und Muxía anschließen.
Unterschiede zu anderen Routen
Jeder Pilgerweg hat seinen eigenen Charme und spezielle Merkmale.
- Der Nördliche Jakobsweg verläuft entlang der Küste von Kantabrien und Asturien. Auf dem Abschnitt des Nördlichen Jakobswegs von Santander nach Gijón beispielsweise wandern Pilger zwischen Stränden, Klippen und Fischerorten.
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- Die Marianische Route hingegen führt durch das galicisch-portugiesische Binnenland mit isolierten Bergen und Tälern und bietet somit mehr Kontakt zur ländlichen Natur als manche Küstenrouten.
- Zum Portugiesischen Jakobsweg besteht eine noch engere Verbindung, da beide Routen von Süden nach Norden verlaufen und Portugal mit Galicien verbinden. Die Vía Mariana läuft ungefähr parallel, einige Kilometer östlich des zentralen Portugiesischen Jakobswegs.
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- Während der Hauptweg des Portugiesischen Jakobswegs Galicien über Tui betritt oder die Küstenvariante über A Guarda führt, verläuft die Vía Mariana weiter im Landesinneren über Arbo.
Die geografische Nähe beider Routen (insbesondere der Küstenvariante) eröffnet jedoch die Möglichkeit, Abschnitte zu kombinieren.
- Ein Pilger könnte beispielsweise zuerst den Portugiesischen Jakobsweg von Porto nach A Guarda genießen – mit Blick auf die Atlantikküste und Fischerdörfer. Nach der Ankunft in A Guarda könnte er einige Kilometer ins Landesinnere fahren, um die Vía Mariana in der Region Pontevedra zu verbinden. Selbstverständlich kann er auch dem Weg von A Guarda nach Santiago de Compostela folgen.
Es ist erwähnenswert, dass die Vía Mariana teilweise mit bestehenden Jakobswegen übereinstimmt, zum Beispiel:
- Auf dem Abschnitt von Padrón nach Santiago gehen viele Marianische Pilger gemeinsam mit den traditionellen Portugiesischen Jakobsweg-Pilgern. Die Kirche A Escravitude liegt sehr nahe am Jakobsweg.
- Von Santiago nach Muxía folgt die Marianische Route dem gleichen Weg wie die Verlängerung xacobea nach Fisterra/Muxía über viele Kilometer. In diesem Sinne ergänzt die Marianische Route die Erfahrung des Jakobswegs. Sie bietet einen anderen, auf Maria fokussierten Andachtsansatz und zeigt Pilgern weniger bekannte Orte.
Schließlich ist die Rolle der speziellen Pilgeragenturen erwähnenswert. Die wachsende Popularität des Jakobswegs in den letzten Jahrzehnten hat zur Entstehung von Unternehmen geführt, die Pilgern bei Planung und Logistik helfen. Diese privaten Initiativen können eine Unterstützung für Pilger sein, die zusätzlichen Komfort wünschen.
Nicht zuletzt bietet Mundiplus, deine Jakobsweg-Agentur Dienste wie Unterkunftsbuchung, Gepäcktransport oder personalisierte touristische Informationen auf den traditionellen Jakobswegen. Bei der Marianischen Route, die noch relativ neu ist, sind nur wenige Anbieter in ihren Paketen enthalten, aber es ist zu erwarten, dass mit der Zeit das Dienstleistungsangebot für diesen alternativen Weg zunehmen wird.
Zusammenfassend präsentiert sich die Luso-Galicische Marianische Route als einzigartige Pilgerstrecke, die zwei benachbarte Regionen rund um die Figur der Jungfrau Maria verbindet. Mit ihrer Kombination aus Spiritualität, historischem Erbe und natürlicher Schönheit bietet dieser Weg eine bereichernde Alternative, um Galicien und Portugal jenseits der üblichen Routen zu erkunden.





